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Miller, Alice: Evas Erwachen

Posted By Werner On 06/05/2009 @ 05:52 In ab 2000,AutorInnen M,Ratgeber,Rezensionen,Sachbücher | 4 Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover Evas Erwachen von Alice Miller
Über die Auflösung emotionaler Blindheit

Ratgeber
Taschenbuch & Hardcover: Suhrkamp, 2004 & 2001
Inhalt:

Als Gott den Garten Eden erschuf, dachte er sich ein grausames Szenario aus: Er schenkte Adam und Eva den Baum der Erkenntnis, verbot ihnen aber, von dessen Früchten zu kosten. Den Ungehorsam seiner Kinder bestrafte der Über-Vater mit schwerem Leid. Dieses Paradies, in dem Fügsamkeit als Tugend, Neugierde als Sünde und Unkenntnis von Gut und Böse als Idealzustand gelten, hat fatale Ähnlichkeiten mit dem, was am Anfang nahezu jeden Lebens steht und gemeinhin das “Paradies der Kindheit” genannt wird: Sobald ein Kind nicht die gottgleichen Gebote der Eltern befolgt, wird es bestraft, wenn nicht gezüchtigt, und ihm obendrein eingeredet, dies alles sei nur zu seinem Besten. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ich war zwar nicht erstaunt, dass Miller bei ihrem Thema geblieben ist, sondern über dieses meiner Meinung nach schlecht geschriebene Buch. Damit meine ich nicht die berechtigte Penetranz, mit der Miller wieder und wieder verkündet, wie negativ sich Gewalt gegen Kleinkinder auswirkt, sondern dass „Evas Erwachen“ aus dem Jahre 2004 nicht mehr beinhaltet als Anmerkungen zu ihren Buch-Erfolgen von 1979/80.

Besprechung:

Unausgegoren

Nachdem ich Salchers „Der verletzte Mensch“ [5] gelesen hatte, wollte ich wissen, was sich bei Alice Miller in den letzten Jahren so getan hat. Besser gesagt: Vor ca. 25 Jahren waren Millers erste drei Bücher wichtig für mich, ich las das „Drama des begabten Kindes“, hatte und war natürlich selbst eines, was jedoch – wie bei fast allen Ratgeber-Büchern üblich – nicht viel bewirkte.

Und jetzt war ich zwar nicht erstaunt, dass Miller bei ihrem Thema geblieben ist, sondern über dieses meiner Meinung nach schlecht geschriebene Buch. Damit meine ich nicht die berechtigte Penetranz, mit der Miller wieder und wieder verkündet, wie negativ sich Gewalt gegen Kleinkinder auswirkt, sondern dass „Evas Erwachen“ nicht mehr beinhaltet als Anmerkungen zu ihren Buch-Erfolgen von 1979/80.

Bestätigt meine Thesen

Soll heißen: Miller schreibt ständig, „wie ich schon in meinem Buch XYZ geschrieben habe“. Sie stellt Behauptungen auf (wie „die aktuelle Hirnforschung bestätigt meine Thesen“), ohne zumindest zu versuchen, diese zu untermauern. Statt dessen gibt es viele Fallbeispiele, die auf mich wegen ihres Heilsversprechens (à la „nur wer meinen Rat befolgt, kann gerettet werden“) unglaubwürdig wirken. Für ein 180-Seiten-Buch ist „Evas Erwachen“ außerdem schon wieder weitschweifig, kommt nie auf den Punkt (– also auf den Unterpunkt, für den ein Kapitel steht; auf den Hauptpunkt „gequälte Kinder werden ihre Kinder quälen“ wird selbstredend hingewiesen), hält also insgesamt nicht, was es verspricht.

Ich achte zwar Alice Millers Engagement sehr, dieses Buch jedoch macht auf mich den den Eindruck von Unausgegorenheit, welche der Sache abträglich ist.

Von Werner Schuster
Infos:

Über Alice Miller [6] bei Wikipedia und auf www.alice-miller.com [7].


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[1] Kurzkritik: #kurz

[2] Was meinen Sie?: #user

[3] Ausführliche Besprechung: #rezi

[4] Infos: #infos

[5] „Der verletzte Mensch“: http://www.eselsohren.at/2009/05/04/andreas-salcher-der-verletzte-mensch/

[6] Alice Miller: http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Miller

[7] www.alice-miller.com: http://www.alice-miller.com/index_de.php

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