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Dezulovic, Boris: Gedichte aus Lora

Posted By Werner On 05/05/2008 @ 06:07 In Alles andere,AutorInnen D,Leben im Krieg,Lyrik,Rezensionen,Verlage A–D | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover
Lyrik
Aus dem Kroatischen ausgewählt und übersetzt von Klaus Detlef Olof
Hardcover: Drava, 2008
(2005)
Inhalt:

Boris Dezulovic läßt die in der Heimatidylle verwurzelten Täter zu Wort kommen, die Folterer und Mörder in dem Militärgefägnis Lora nahe Split, wo kroatische Militärpolizisten serbische Mitbürger um die Gesundheit oder sogar zu Tode brachten. Diese Bilder aus der Vorstadt sind der Versuch, ihre Mentalität zu sezieren und die ans Naive grenzende Selbstgerechtigkeit in der sogenannten bürgerlichen Öffentlichkeit bloßzustellen. Ein schockierendes Zeitzeugnis, den Tätern in den Mund gelegt. (Pressetext)

Kurzkritik:

Dezulovic‘ Ziel war es, “beim Leser seelischen Schmerz zu erzeugen. … Die Gedichte sind “nicht nur aus Lora und über Lora, sondern sind der Versuch, die Mentalität zu sezieren, die Lora möglich gemacht hat.” – Das ist ihm gelungen

Besprechung:

Ihr Zivilistenscheiße

Boris Dezulovic lässt in seinen “Gedichten aus Lora” die Täter eines Militärgefängnisses nahe Split während der Jugoslawien-Kriege [5] zu Wort kommen. “Mein Ziel war es”, schreibt er in einem Nachwort, “beim Leser seelischen Schmerz zu erzeugen. … Ich habe die Poetik … aus der finster-obskuren Subkultur der Emigrantenkulturheime, Vorstadtkneipen und Internetforen in den Raum der so genannten bürgerlichen Kultur verlagert.” Die Gedichte sind “nicht nur aus Lora und über Lora, sondern sind der Versuch, die Mentalität zu sezieren, die Lora möglich gemacht hat.”

Besser kann man dieses Buch nicht beschreiben. – Hier noch einige Auszüge:

Der Hauptmann

Lieber soll mir ein Kroate mein Haus stehlen
als dass mit ein Serbe das Feuerzeug stiehlt

Lieber soll mir ein Kroate meine Frau ficken
als dass ein Serbe sie auf die Wange küsst …

Was beim Arsch

… Was wisst ihr Zivilistenscheiße denn
wie das ist wenn die Sonne sengt
und alles stinkt nach Verwesung und Rauch
und Kerosin Alles still Auch die Grillen
haben sich verschissen verdammte Scheiße

Ihr habt keine Ahnung ihr Hundeärsche
wenn vor euch plötzlich ne blinde Alte steht
im Rollstuhl schwarze Brille schwarzes
Tuch ganz in Schwarz wie der Tod
Nur die weiße Schürze um
und unter
der Schürze
wer weiß
was.

Wegen deiner Augen

… Du erinnerst dich nicht an mich
aber deine Augen
du weißt auch nicht
nur wegen deiner Augen
habe ich damals
deinem Bruder
nicht
die Kehle durchgeschnitten

Die Hymne

Dann haben wir ihn nackt ausgezogen
und mit Petroleum übergossen
und er hat sich richtig angeschissen
ich meine wortwörtlich

Dann haben wir ihm einen Löffel gegeben
damit er seine Scheiße isst
aber er hat alles
ausgekotzt

Dann haben wir ihm einen Strohhalm gegeben
damit er die braune Pfütze austrinkt
aber er ist in Tränen ausgebrochen
wie ein kleines Mädchen …

Von Werner Schuster
Infos:


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[5] Jugoslawien-Kriege: http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien-Krieg

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