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Johnson, Uwe: Mutmassungen über Jakob

Posted By Werner On 23/11/2007 @ 06:03 In 1950-1974,AutorInnen IJ,Rezensionen,Romane & Erzählungen | 2 Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover
Roman
Suhrkamp
(1959)
Inhalt:

Wer war dieser Jakob Abs? An einem nebligen Morgen im November wird der Achtundzwanzigjährige, der bei der Reichsbahn arbeitet, auf dem Gelände des Dresdner Bahnhofs von einer Lokomotive überfahren. Damit beginnen die kunstvoll formulierten Mutmaßungen der Erzählers: War es ein Unfall? Beging er Selbstmord? Und wenn ja: Was mag ihn dazu getrieben haben? Oder war es gar ein politischer Mord? Aber aus welchen Motiven?
In einer Reihe von Gesprächsfetzen, in denen sich jene Personen zu Wort melden, die dem Protagonisten am nächsten standen, entsteht nach und nach das Bild des verlässlichen und schweigsamen Jakobs. Da sind seine Mutter uns seine Freundin Gesine, die in den Westen geflohen sind, da ist aber auch Hauptmann Rohlfs von der Spionageabwehr der DDR. Es stellt sich heraus, dass der Hauptmann Jakob sogar in den Westen fahren ließ. Doch der kam zurück, enttäuscht vom Leben in der BRD. Sein neues Leben in der DDR jedoch dauerte nur einen einzigen Tag. (Pressetext)

Kurzkritik:

Selbst wenn Johnson in seinem Werk stets die “beiden Deutschland” thematisiert hat, so dürfte er doch nie die Absicht gehabt haben, der Nachwelt nett zu lesende historische Romane zu hinterlassen.

Und so sind auch seine “Mutmassungen” ein Werk für Menschen, die Besserwisser-Literaten nicht mögen und die Bücher beim Lesen gerne mehr als sonst “fertigstellen”.

Besprechung:

Splitter-Literatur

Für dieses Buch empfehle ich ausnahmsweise Wikipedias Inhaltsangabe [5] (welche ich ansonsten für kontraproduktiv halte, weil dort die Überraschungen und Enden von Romanen ausgeplaudert werden), weil es sehr hilfreich ist, den Inhalt der “Mutmassungen” zu kennen. Und auch wenn es Johnsons Absicht gewesen sein mag, dass jede/r ein anderes Buch liest, so tragen die dauernd wechselnden Erzählperspektiven inklusive ebenfalls wechselnder Ich-Perspektiven doch dazu bei, dass man der Handlung nicht so recht folgen kann.

Jakob ist bei einem Unfall ums Leben gekommen – wenn es denn ein Unfall war –, und Johnson versucht, seine letzten Monate zu rekonstruieren. Mehr als Mutmaßungen kommen dabei nicht heraus. Die Handlung spielt in der DDR, und die Staatssicherheit versucht über Jakob, dessen in die BRD geflüchtete Freundin Gesine – wenn es denn eine “richtige” Freundin war – als Spitzel zu gewinnen.

Vorgeschichte der “Jahrestage”

Schon im Titel drückt Johnson seine Zweifel aus, einen Menschen “wirklich” beschreiben zu können, und liefert stattdessen so etwas wie Bruchstücke eines zersplitterten Spiegels. Man darf sich auch keine allgemein gültige Beschreibung der DDR erwarten. Selbst wenn Johnson in seinem Werk stets die “beiden Deutschland” thematisiert hat, so dürfte er doch nie die Absicht gehabt haben, der Nachwelt nett zu lesende historische Romane zu hinterlassen.

Und so sind auch seine “Mutmassungen” ein Werk für Menschen, die Besserwisser-Literaten nicht mögen und die Bücher beim Lesen gerne mehr als sonst “fertigstellen”.

P.S.: Die “Mutmassungen” sind ein Teil der Vorgeschichte der leichter konsumierbaren, vierbändigen “Jahrestage” (mit der Hauptfigur Gesine), über die hier sicher noch zu lesen sein wird.

Von Werner Schuster
Infos:

Über Uwe Johnson [6] bei Wikipedia.


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[3] Ausführliche Besprechung: #rezi

[4] Infos: #infos

[5] Inhaltsangabe: http://de.wikipedia.org/wiki/Mutmassungen_über_Jakob

[6] Uwe Johnson: http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Johnson

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