Eselsbrücke 13: Torberg
liebe LeserInnen,
dtv hat mich darauf Aufmerksam gemacht, dass „wir” demnächst Friedrich Torbergs 100. Geburtstag feiern und dass der Verlag aus diesem Anlass „Mein ist die Rache” herausgibt.
Nun denke ich, wenn ich den Namen Torberg höre, augenblicklich an den Brecht-Boykott, was selbstverständlich unfair ist, aber ich verstehe halt nicht, dass jemand, dessen Bücher (von den Nazis) verboten worden sind, sich überhaupt daran beteiligt hat zu verhindern, dass die Werke eines anderen Autors aufgeführt werden (– ich habe zwar den Zweiten Weltkrieg nicht und den Kalten Krieg nicht wirklich erlebt, aber: Nur weil Brecht Kommunist war?).
Außerdem hat Torberg auch noch Kishon übersetzt, dessen Bürokratie- und Alltags-Satiren ich nicht mag {– und auch nicht, dass ein Satire-Schreiber mit seiner Popularität nichts Besseres zu tun gewusst hat, als zum Beispiel seine prinzipielle Abneigung gegen moderne Kunst kund zu tun. (Natürlich „durfte” er das, aber warum tat er’s öffentlich und Feldzug-artig?)}.
Vielleicht deshalb muss ich gestehen, dass ich den „Schüler Gerber” bloß ziemlich o.k. fand und dass ich die „Tante Jolesch” nie gelesen habe; ich kenne auch nur die paar Zitate, die jeder kennt*. Nichtsdestotrotz bin ich derzeit von „Mein ist die Rache” beeindruckt (Besprechung folgt).
Objektiver betrachtet, lässt sich über Torberg Folgendes sagen:
Torberg, Friedrich, eigentlich Friedrich Kantor-Berg. * Wien 16.9.1908, † Wien 10.11.1979; studierte Philosophie, war Journalist, emigrierte 1938 in die Schweiz, dann nach Frankreich, schließlich in die USA; kehrte 1951 nach Wien zurück. Torberg schrieb viel gelesene Romane, Erzählungen und Anekdtoen, die – v.a. im Spätwerk – im jüdischen Milieu spielen. Berühmt wurde er mit dem autobiografisch inspirierten Roman „Der Schüler Gerber hat absolviert” (1930), der Kritik am autoritären und menschenfeindlichen Schulsystem übt. Torbergs Feuilletons, Kritiken, Glossen und Parodien stehen sprachlich-stilistisch in der Traditzion Karl Kraus’. Torberg war auch als Lyriker, Herausgeber und Übersetzer tätig. – © GEO
Mehr über Friedrich Torberg bei Wikipedia.
* „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist” und „Was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus!”


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Die Tante Jolesch zu lesen macht wirklich Spaß, und für in Wien lebende Menschen ist es sowieso bereichernd, weil man was über die Alltagsgeschichte der eigenen Umgebung erfährt.
Empfehlung also!